1. Herren: Auf der Fotzenhobel zum Sturm auf Platz 2 geblasen

Foto: Magnus Manske - Quelle: Wikimedia Commons

Nanana, ist das dann wohl die endgĂŒltige Demission unseres allseits geliebten Damenwartes? Sein letzter Ausdruck schlechten Geschmackes? Ein perfektes Fressen fĂŒr die GralshĂŒter von Anstand und political correctness?

Nein, denn der erste Eindruck tĂ€uscht wie so hĂ€ufig. Ganz im Gegenteil: Das vermeintlich frauenfeindliche Vokabular entpuppt sich bei nĂ€herer Betrachtung als Garant von Teamgeist und unbeugsamem Willen in der „Entscheidungsschlacht“ (Otto Rehhagel vor dem 1:2 gegen Freiburg) in der Freiherr vom Stein-Arena zu Oesede. Denn schon vor Eintritt in die Arena holt König und Matador Kulic den entscheidenden Motivationstrick aus seinem Serbenkopf und singt seinen Stieren das Lied von Platz 2 auf seiner Fotzenhobel.  Von dieser unvermuteten Einlage komplett fasziniert, stĂŒrzt sich das Team in die Arena, die sich langsam zu fĂŒllen scheint und sich spĂ€ter in die rote Wand transformiert.

Seine Stiere werden allerdings krĂ€ftig durchgeschĂŒttelt in den Doppeln (1:2), letztlich bis zum 1:3 Zwischenstand und 0:2 SatzrĂŒckstand vom König selbst, der offensichtlich den Übergang vom Singen zum Spielen noch nicht gefunden hat. Doch mit seiner Aufholjagd erwacht auch der Kampfeswille der ĂŒbrigen Stiere und des Publikums auf den RĂ€ngen und aus einem vermeintlichen 1:4 entwickelt sich aus 2:4 ĂŒber 4:4 ein 5:4 zur Halbzeit, denn der bĂ€renstarke Levien und auch Killer Dirk rĂ€umen unten gewaltig ab und bringen das Team wieder zurĂŒck in die Erfolgsspur. Die Fans wollen mehr, Höppi hĂ€lt es schon lange nicht mehr auf den Sitzen, HĂ€rtel schon frĂŒh ohne Stimme.

Die rote Wand gerĂ€t dann vollkommen aus dem HĂ€uschen, als unser König auch Saffran niederringt und fĂŒr einen 7:5 Zwischenstand sorgen kann, noch ein Spiel vom notwendigen Remis entfernt. Oli treibt es dann auf die Spitze in seinem 5-Satz-Krimi gegen Knoop, ist zwischenzeitlich nur 2 BĂ€lle vom Sieg entfernt, muss aber gratulieren in der VerlĂ€ngerung des 5. Satzes. An Tisch 2 kopiert Dirk die MatchfĂŒhrung Olis, gratulieriert also ebenso im 5. Satz zum 7:7, den Stieren geht zunehmend die Luft aus, Matador Kulic zieht die Stirn in Falten und erinnert erneut an das Lied auf seiner Fotzenhobel, das Captain Levien fast noch mitsingen kann und somit voller Kraft in die letzte Einzelpartie geht: 3:0 gegen Schnier, zack, Relegation gesichert, Abschlussdoppel gewonnen, Sieg gesichert.

Danach lĂ€uft vieles wie im Film ab, Jubel, Bier, Tankstelle aufgekauft, Bier, Bushaltestelle entweiht, Bier, Nachbetrachtung, Bier, Was-wĂ€re-wenn-Gespinste, Bier, Ich-kann-nicht-mehr, Bier, Ich spiele niemals Landesliga, Bier, Ich-bin-König-auf-ewig, ganz viel Bier, Schluss, Bier, scheiß nĂ€chster Tag, Bier.

Nun soll es also erneut zur Relegation kommen, nie hat man mal ne ruhige Saison, die auch einfach mal mit dem letzten Spiel endet oder von mir aus schon zur Halbserie mal einen gelockerten 5. Platz offenbart. Nein, nichts ist einem vergönnt.

Dennoch von der 1. Herren ein großes Kompliment an die rote Wand fĂŒr den support und damit auch der lyrische Abgesang auf eine Kraft raubende Saison,  die an anderer Stelle nochmal auf der Fotzenhobel besungen werden wird. Denn die scheint ein gutes Maskottchen zu sein. Amen.