Die Auszeit – Teil 2

Time-Out ist gut fĂŒr Dich! Oder nicht?
Time-Out ist gut fĂŒr Dich! Oder nicht? (Foto: pixabay.de)

Gestern gab es den ersten Bericht zum Thema Auszeit beim Tischtennis.

Jan LĂŒke findet, dass die Auszeit grundsĂ€tzlich eine feine Sache ist, aber …

Lest selbst:

„Ist zwar schon einige Tage her, es muss das Jahr 2000 gewesen sein, aber ich kann mich noch ziemlich bildhaft an mein erstes Spiel nach der EinfĂŒhrung der Time-Out-Regel erinnern.

Ich war in einem Einzel lĂ€ngst abgebogen auf die Verliererstraße, war nach SĂ€tzen und nach Punkten ordentlich ins Hintertreffen geraten, hatte mit dem Spiel im Kopf eigentlich schon lĂ€ngst abgeschlossen – und habe mich dann doch noch mal am damals noch so ungewohnten Time-Out-Zeichen probiert. Mit Erfolg! Der nĂ€chste Punkt, die nĂ€chsten SĂ€tzen, das ganze Spiel gingen an mich.

An dem Tag war ich großer Fan der Auszeit – und blieb es auch fĂŒr einige der folgenden Jahre, wenngleich eher aus der persönlichen Motiven. Mit dem Time-Out herumzuprobieren und nach eventuellen Vorteilen zu suchen, finde ich seit jeher ganz spannend. Was nichts damit zu tun hat, dass meine Meinung vom Time-Out im Tischtennis keine sonderlich hohe ist. Ich finde sogar, Tischtennis und Time-Out passen nicht so richtig zusammen.

Warum das? FĂŒr mich hat das vor allem einen Grund: Tischtennis ist per se eine Sportart mit vielen Unterbrechungen in seiner Wettkampfstruktur. Die SĂ€tze sind kurz – und stellen alle paar Minuten einen natĂŒrlichen Bruch im Spielfluss dar, der durchaus erheblich ist: Pause fĂŒr die Spieler, Einleiten einer neuen Konstellation im Wettkampf, Möglichkeit der Einflussnahme von außen inklusive. Schon allein das passiert etwa in einem FĂŒnf-Satz-Spiel ganze viermal. Obwohl das Spiel in seiner Netto-Spielzeit keine 15 oder vielleicht 20 Minuten dauert.

Das aber sind nicht die einzigen Unterbrechungen: Alle sechs Punkte geht es zum Handtuch, zudem zwischen jedem Ballwechsel in eine weitere oftmals nicht maximal kurz gehaltene Pause zur Vorbereitung auf den nĂ€chsten Punkt. All das sind kleine, aber betrĂ€chtliche Möglichkeiten fĂŒr den Athleten, sich zu sammeln, sich Gedanken zu machen, den Rhythmus des Spiels zu Ă€ndern oder zu brechen. All das ist keine Spielzeit!

Wirft man einen Blick auf die Sportarten, in deren Regelwerk sich Auszeiten finden, ist Tischtennis – das muss man ganz klar sagen – ein absoluter Exot. Basketball, American Football, Handball, Hockey in all seinen Variationen mit dem Steckenpferd Eishockey. Das sind allesamt Mannschaftssportarten, in denen es dementsprechend um gruppentaktische Prozesse geht, um eine Organisation und Interaktion von etlichen Akteuren miteinander, um eine Ausrichtung auf einen Gegner mit ebenfalls etlichen Akteuren.

Zudem ist die Spielzeit in diesen Sportarten, selbst wenn man sie einem Best-of-seven-Spiel im Tischtennis gegenĂŒberstellt, deutlich ĂŒppiger und – jeweils auf diese Spielzeiten gerechnet – die durchs sonstige Regelwerk gegebenen Unterbrechungen und Pausen eher gering. Auszeiten sind daher ein sinnvolles Stilmittel in den jeweiligen RegelbĂŒchern, um dem Spielverlauf eine neue Facette hinzuzufĂŒgen und das Spiel zu bereichern. Im ohnehin kurzlebigen und unterbrechungsreichen Tischtennis sehe ich diese Bereicherung nicht wirklich.

Was hinzu kommt: Mit der Auszeit hat der Spieler zwar ein zusĂ€tzliches taktisches Mittel in die Hand bekommen, das er eigenverantwortlich nutzen kann. Allerdings wird dem Spieler auch ein wenig an Eigenverantwortung genommen. Was eine Auszeit regeln kann, eben, dass sich ein Spieler sammelt, seine Einstellung zum Spiel oder seine Taktik verĂ€ndert, könnte in einem Regelwerk ohne Auszeit auch der Spieler in der jeweiligen Spielsituation selbst verĂ€ndern. Ohne als Mittel dazu eine zusĂ€tzliche Unterbrechung in der Hinterhand zu haben. Mentale StĂ€rke, ein guter Kopf in knappen Wettkampfsituationen wĂŒrden wieder an Bedeutung gewinnen, wenn die Auszeit wegfallen wĂŒrde. Deren Wirkung ist nĂ€mlich unbestritten – das habe ich mittlerweile lĂ€ngst auch etliche Male aus der Verliererperspektive zu spĂŒren bekommen.“

Jan LĂŒke auf mytischtennis.de